Was es vom Silicon Valley zu lernen gibt

Von Turnschuhen, neuen Bürowelten, falsch verstandenen Impulsen und echten Benefits einer Silicon-Valley-Reise.

Viele deutsche Top Manager bereisen das Silicon Valley und besuchen die neuen Global Player der Wirtschaftswelt. Bei fast jeder Reise gibt es Haltepunkte bei Facebook, Google, Tesla, Intel und anderen bekannten Unternehmen. Die faszinierend „andere“ Kultur und Arbeitsweisen werden meist bereits vor Ort, auf der Heimreise und schließlich im Tagesgeschäft weiter gelebt. Oft manifestiert sich dieses Bestreben in einem neuen Outfit mit Chino und Turnschuhen, in neuen Bürowelten oder dem Anspruch nach agilem Arbeiten. Interessant ist, dass die Reisegruppen ins Silicon Valley meist ausschließlich aus den Top Managern der Unternehmen bestehen. Ich halte aber eine Learning Journey, an der Schlüsselpersonen aus verschiedenen Unternehmensbereichen teilnehmen, für erfolgsentscheidend. Sie können ihre Erkenntnisse in die Organisation zurücktragen und als Multiplikatoren fungieren.

Die Rahmenbedingungen neu setzen

Zurück im heimischen Betrieb treffen die Eindrücke aus der neuen Welt auf das Leben, die Realität in der alten Welt. Die Faszination für die neuen Welten ist  durchaus bei allen Beteiligten spürbar und der Wunsch nach Veränderung groß. Doch zuhause sehen sich die Manager mit ihren neu gewonnenen Einsichten Mitarbeitern gegenüber, die seit Jahren in den Strukturen und Prozessen der Unternehmen eingebunden sind. Strukturen, die heute immer noch – trotz vieler Bekenntnisse zum Abbau – von Silos und hierarchischen Entscheidungsprozessen geprägt sind. Abstimmungen und Gremien findet man zwar zuhauf, Agilität ist in aller Munde, doch wirklich verändert hat sich in den meisten Unternehmen nur wenig. Das wird besonders beim Thema Agilität deutlich, denn Agilität verlangt Freiheit. Aufgabe des Managements ist es, diese Freiheit durch entsprechende Rahmenbedingungen zu ermöglichen. Neue Mitarbeiter mit agiler Erfahrung zu rekrutieren, kann das Empowerment der eigenen Mitarbeiter beschleunigen, aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Commitment bringt Erfolg

Für den Erfolg von Effizienz- und Transformationsprogrammen entscheidend ist die Umsetzung und damit verbunden die Erreichung der gesteckten Ziele, was abhängig ist vom gemeinsamen Verständnis, dem „Commitment“ des gesamten Unternehmens und aller Mitarbeiter. Um Effizienzprogramme und Transformationen erfolgreich zu machen, ist die frühzeitige Einbindung der Mitarbeiter und Experten schon in der Ausarbeitungsphase unerlässlich. Gerade die Zusammenarbeit in einer sehr frühen Phase bringt erhebliche Effekte für das Unternehmen.

Soll die Reise ins Silicon Valley Erfolge im eigenen Unternehmen zeitigen, müssen zum einen die zunächst theoretischen Modelle einer realistischen Prüfung unterzogen werden. Damit kann eine eventuelle Fehlplanung gemindert werden. Zum anderen werden die Mitarbeiter, die für Umsetzung und Erfolg der Programme maßgeblich sind, eingebunden. Diese Einbindung bringt die emotionale Verbundenheit zum Programm. Darüber hinaus sind auf diese Weise auch notwendige Entscheidungen im Unternehmen erfolgreicher, da sich auf diese Weise sowohl die Realitäts- und Erfolgswahrscheinlichkeit als auch die Akzeptanz in der Belegschaft erhöhen lassen. Die zeitliche Umsetzung kann aufgrund der rechtzeitigen Einbindung aller Beteiligten ebenfalls beschleunigt werden. Dieser Ansatz wird aber nur gelingen, wenn das Top Management Effizienzprogramme und Transformationen hoch priorisiert, alle notwendigen Freiheiten und Arbeitsweisen sowie die Einbindung von Mitarbeitern frühzeitig ermöglicht.

 HR: Vielfalt bringt Innovation und Erfolg

Mitarbeiter sind im oben beschriebenen Prozess einer der Kernpunkte zukünftigen erfolgreichen Handelns. Die Förderung der Mitarbeiter als auch das richtige Recruitment gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung. Die Suche nach den richtigen Talenten benötigt eine professionelle Herangehensweise. Talente sind keine „Massenware“ und können daher über die reine Stellenausschreibung und Standardauswahlprozesse nur schwer gefunden oder für Unternehmen in Veränderung begeistert werden.

Neben den Menschen ist auch die Vielfalt ihrer unterschiedlichen Skills von Bedeutung. Liest man Stellenanzeigen gerade im klassischen deutschen Industriebereich, so werden überwiegend Talente aus den eigenen Branchen gesucht. Eine Begrenzung der Auswahl und der Ausschluss von Talenten aus anderen Branchen, die bereits heute Programme oder Veränderungen erfolgreich gesteuert haben, sind die Folge. Vielfalt bedeutet daher auch, das Silodenken der Branchen aufzubrechen und von anderen zu lernen. Gerade dies ist bereits heute eine Kerndisziplin von Start-ups.

Der Einsatz von Interim Managern gewinnt in Veränderungssituationen ebenfalls an Bedeutung. Interim Manager kennen sowohl die alte als auch die neue Welt und haben eine Vielzahl von Veränderungen begleitet. Ihre Unabhängigkeit und Neutralität ermöglicht das schonungslose Aufbrechen von Strukturen und die Implementierung neuer Führungs- und Steuerungsmethoden. Sie sind somit der ideale Partner für Unternehmen und Führungskräfte in der Veränderung. Sie leiten den Umbruch mit der Belegschaft vor Ort ein, begleiten die Umsetzung und unterstützen Mitarbeiter und Führungskräfte dabei, sich in ihre neuen Rollen einzufinden – ein Erfolgskonzept im Veränderungsprozess.

Autor: Peter Kuhle, Interim Manager und Berater. Er begleitet Unternehmen in erfolgskritischen Phasen von Wachstum und Wandel. 2018 wurde er mit dem „Interim Management Excellence Award“ der DDIM in der Kategorie „Return on Interim Management“ für die Neuausrichtung Field Service Operations Unitymedia ausgezeichnet.
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